Als immer mehr meiner Freunde auf Facebook agierten und wir uns immer weniger sahen träumte ich, Monitore würden zwischen unseren Betten stehen. Und mir war, als ob der dünnen Faden, der zwischen den Schichten unserer Gesellschaft verläuft, immer mehr lose Enden aufweist und wir uns gleichzeitig immer weiter in ein Uhrwerk hinein drehen würden.

Alf Ruge kreierte die Visuals für  die Leinwände, die sich zwischen den TänzerInnen bewegten, und ich habe - auf zeitgenössische Musik - die TänzerInnen zwischen die im Raum aufgespannten Gummibänder choreographiert.

Texte wurden geschrieben und ausgesucht. Thomas Ecke hat gemeinsam mit mir die Texte, die ich zwischen den Choreographien tanzend gesprochen habe, erarbeitet.

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  • Annika Wiesner

    Dancer

  • Yasha Wang

    Dancer

  • Jérôme Gosset

    Dancer

  • Kizzy Garcia Vale

    Dancer

  • Doriane Locatelli

    Dancer

  • Konstantin Tsakalidis

    Dancer / Actor

  • Patrick Manzecchi

    Percussion

  • Luise Margarete Tsakalidis

    Cello

  • Christina Burchardt

    Violin

  • Susana Gutierrez

    Violin

  • Alf Ruge

    Visuals

  • Thomas Ecke

    Actingcoach

Textauszug ( Konstantin Tsakalidis) 

Die Seele wohnt an einem fernen Ort. Eingeschlossen, irgendwo in diesem Körper. Mein Körper aber ist ein Labyrinth und ich habe ihr Versteck vergessen. Und als ob es einfacher wäre, suche ich in den Labyrinthen der Anderen.  In Deinem. Taste mich durch die anderen Körper. Durch Deinen. Und finde doch nur: Niemand. Niemand spricht mit mir. Niemand sieht mich an. Ich fühle Niemand. Ich habe sogar die Ahnung von dem fernen Ort in mir verloren.

Als es im Labyrinth noch die Ahnung gab, habe ich versucht Brücken zu bauen: Von einem unbekannten Ort in meinem Labyrinth zu einem unbekannten Ort in deinem Labyrinth.

Aber als die Ahnung verschwand

führten die Brücken ins Nichts.

Jetzt sind da diese Wände zwischen den Räumen wie aus Licht

die Brücken haben sich verrannt.

Einzelkämpfer. Alles Einzelkämpfer.

Abgeschottet von den Anderen kämpft jeder innerhalb seiner Hülle um sein Überleben und versucht - gleichsam aus dieser Hülle heraus - den Anderen ein Zeichen zu geben, mit dem er seine Einsamkeit zu beenden hofft. Und doch macht gerade dieses Zeichen noch einsamer.

Lost in space.

Haushalten mit dem Mitgefühl. Ich kann mich einfach nicht mit jedem Penner auseinandersetzen, wenn meine Scala der Empfindsamkeit noch irgendwie im orangen Bereich bleiben soll. Mitgefühl einsetzen ist eine Put-Option auf einen gut dotierten Wert abgeben. Das muss gut durchkalkuliert sein, sonst drohen Haushaltsdefizite und Einbrüche und ich lande im Soll anstatt im Haben. Die Frage ist doch: Was geht auf welches Konto? Das Drama der Anderen kann schlecht zu meinen Lasten gebucht werden. Und überhaupt: Ein bisschen Mauer hat noch Niemandem geschadet.

Mauern.

Wie viele Mauern sind es wirklich?

Mauern. Membrane. Mauern.

Das Uhrwerk ist aufgezogen, es schnurrt nun herunter.

Es ist aufgezogen in den Synapsen, den Hirnströmen meiner Gedanken, dem Rhythmus meiner Tage, dem Pochen meines Herzens. Meine Gesten schnurren herunter wie die Silben auf meinen Lippen, die sich verbinden mit dem Lidschlag meiner Blicke und dem Tippen meiner Finger. Das Schnurren gibt mir Sicherheit. Das Uhrwerk beschützt mich.

In Verbindung mit den pochenden Synapsen, den Hinströmen der Anderen bildet das Uhrwerk die Matrix der Gegenwart: Die Wirklichkeit.

Mit dem Wachsen der Präzision meiner Gesten und dem genauer werdenden Pochen meines Herzens steigert sich die Präzision des Ineinandergreifens der Zahnräder in der gesamten Matrix, die sich als ein schneller werdendes Accelerando formuliert. Die Realität gewinnt an Geschwindigkeit und wird präziser und damit reicher an Möglichkeiten. Die Uhr ist.

Panisch. Ticktack, ticktack. Es gibt nur eine Null oder eine Eins. Ticktack, ticktack. Das System der  Matrix wird komplexer, und es droht mir zu entgleiten. Ich kann das Ineinandergreifen der Zahnräder  nicht mehr verstehen. Die Räder außerhalb meines Systems werden nicht proportional schneller. Die drehen in einen nicht mehr nachzuvollziehenden Drehzahlbereich hinein, in dem alles Sein nur noch eine Spiegelung auf Oberflächen ist. Aber solange ich die Bilder auf der Oberfläche erhalten kann, bleibe ich in dieser Matrix erhalten.

 Ich bleibe. Ich bin in einem komplexen, kollektiven System.   

15 Trillionen Synapsen meines Gehirns im Rhythmus des Uhrwerks, im Austausch mit den anderen Synapsen.

Ticktack, ticktack. Das Uhrwerk ist die einzige Möglichkeit, Verbindung zu einem kollektiven System zu schaffen. Die Uhr ist.  

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